Eine Dekade und mehr
Ein erster Rückblick auf Entstehungsgeschichte und Arbeit der Archäologischen Gesellschaft in Berlin und Brandenburg e.V.
von Franz Schopper
Wie es begann
Im Leben der Menschen wie im Leben von Vereinen und Institutionen ist es üblich, Geburtstage zu feiern. So konnte zum Jahreswechsel 2002/2003 auch die Archäologische Gesellschaft in Berlin und Brandenburg e.V. wieder einen Geburtstag feiern, diesmal war es der zehnte. Anders als im menschlichen Leben gemahnen im Vereinsleben auch schon kleinere runde Zahlen einen Rückblick auf das Gewollte und Erreichte, auf das Gewesene und das, was hoffentlich sein wird.
Zunächst ist es notwendig, sich die Situation der frühen 1990er Jahre ins Gedächtnis zurückzurufen[1]. Nach der politischen Wende in der DDR und der Wiedervereinigung Deutschlands veränderten sich die Parameter des gesellschaftlichen Lebens und der archäologischen Arbeit in allen Institutionen doch erheblich. Hier seien nur einige Aspekte schlagwortartig aufgeführt. Die Denkmalschutzgesetze der Länder lösten DDR-Gesetzgebung ab. Die archäologische Arbeit in den kommunalen und regionalen Museen wurde stark umgestaltet bzw. zumindest aus kameralistischer Sicht in Frage gestellt. Das Vereinsrecht ermöglichte die Bildung fachlicher und fachpolitischer Vereinigungen. Bisherige Wirkungsbereiche, wie etwa der Kulturbund, verloren an Bedeutung bzw. verschwanden ganz. Ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter der landesarchäologischen Arbeit auf allen Ebenen sahen daher die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses. Dabei sollte sowohl der Erfahrungsschatz der archäologischen Gesellschaften westlicher Bundesländer wie auch aus der Arbeit in den Bezirksfachausschüssen und des zentralen Fachausschusses für Ur- und Frühgeschichte im Kulturbund der DDR mit einfließen. Dem Protokoll des Gründungsversammlung sind einige Hauptanliegen der Beteiligten zu entnehmen. Neben der selbständigen rein archäologischen Ausrichtung der Arbeit, der Förderung der archäologischen Denkmalpflege und Forschung sowie der Öffentlichkeitsarbeit wurde betont: „Die Gesellschaft sollte ferner eine Organisation und Heimat der hauptamtlichen und ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger sowie weiterer an der Archäologie Interessierter werden“[2].
Das gerade auch die ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger eine wichtige Basis für die Archäologische Gesellschaft sind und waren, zeigt sich darin, dass die Gründungsversammlung am 28. November 1992 in Forst (Lausitz) im Rahmen eine Tagung dieser ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger stattfand. Die Bedeutung der engen Zusammenarbeit mit der zuständigen Landesinstitution und der landesarchäologischen Forschung wird durch die Beteiligung vieler Mitarbeiter des damaligen Archäologischen Landesmuseums für Ur- und Frühgeschichte betont, unter denen sich nicht zuletzt der Landesarchäologie Dr. Jürgen Kunow befand, der zum Abschluß der Versammlung die Unterstützung der Gesellschaft durch die amtliche Bodendenkmalpflege zusicherte.
Auf der Mitgliederversammlung erklärten 36 Personen und mit dem Oderlandmuseum Bad Freienwalde auch eine Institution ihren Beitritt zur Gesellschaft. Durch vorher abgegebene Beitrittserklärungen und im direkten Anschluß erfolgte Zugänge ergänzte sich die erste Mitgliederliste auf insgesamt 42 Eintragungen.
Zur Erledigung der selbst gestellten Aufgaben wurde ein fünfköpfiger Vorstand gewählt, der sich aus Vertretern der verschiedenen Landesteile zusammensetzte:
Vorsitzender: Dr. Hans-Georg Kohnke (Garlitz)
stellvertretende Vorsitzende: Dr. Bernhard Gramsch (Potsdam)
Susanne Kotras (Neuseddin)
Schriftführer und Geschäftsführer: Rainer Schulz (Frankfurt (Oder))
Schatzmeister: Wolfgang Brisch (Frankfurt (Oder))
Vordringlichste Aufgabe war es zunächst, die Gründung der Gesellschaft juristisch mit der Eintragung ins Vereinsregister abzuschließen und die Anerkennung als gemeinnütziger Verein zu erhalten. Gerade die Eintragung ins Vereinsregister erwies sich aufgrund juristischer Detailfragen als schwieriger als gedacht, da die Satzung um einige Punkte ergänzt werden mußte. Dies wurde vom Vorstand entsprechend vorbereitet und am 14. Juni 1993 in der fortgesetzten Gründungsversammlung von den anwesenden Mitgliedern bestätigt. Damit konnte unter der Nummer VR 1191 endlich die Eintragung in das Handelsregister beim Amtsgericht Potsdam erfolgen. Damit war die Gründungsphase der Archäologischen Gesellschaft in Brandenburg e.V. sechs Monate nach der Gründungsversammlung in Forst endlich abgeschlossen.
Neben diesen formalen Aufgaben widmete sich der Vorstand selbstredend auch inhaltlichen Fragen. Besonders hervorzuheben ist, dass der Vorstand, neben der Schulung ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger, bereits damals die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit mit Institutionen und Interessierten in Berlin erkannte und auch Kontakt mit der Berliner Landesarchäologie aufnahm, was für die weitere Arbeit der Gesellschaft von großer Bedeutung wurde. Zusammen mit den Landesarchäologen Prof. Dr. Wilfried Menghin für das Land Berlin und Prof. Dr. Jürgen Kunow für das Land Brandenburg ging man an die Planung für eine gemeinsame Publikationsreihe unter dem Dach der archäologischen Gesellschaft. Diese Zusammenarbeit der brandenburgischen Archäologischen Gesellschaft mit den beiden Landesarchäologien ebnete im Vorfeld der zur Abstimmung anstehenden Länderehe Berlin-Brandenburg den Weg für eine gemeinsame archäologische Gesellschaft, die im Interesse für die Sache in beiden Bundesländern tätig ist. So erfolgte am 17. Juni 1995 in der Spandauer Zitadelle eine „Vereinigungsversammlung“ mit Berliner Interessenten und die Umbenennung des Vereins in Archäologische Gesellschaft in Berlin und Brandenburg e.V. Gerade die Namensgebung gab dabei Anlass zu regen Diskussionen. Zu klären war, welches Bundesland zuerst genannt werden sollte. Für Berlin sprachen die höhere Einwohnerzahl und der internationale Bekanntheitsgrad der Stadt; für Brandenburg konnte man das größere und damit archäologisch reichere Territorium sowie das Primat der Gesellschaftsgründung als Argumente anführen. Einzelne Stimmen wollten den Doppelnamen vermeiden und stellten heraus, dass Berlin historischer Bestandteil Brandenburgs sei. Eine Namensänderung wäre demzufolge gar nicht notwendig. Im nachhinein kann man sagen, dass die Reihenfolge der Nennungen wohl relativ gleichgültig gewesen wäre, die Nennung der beiden Bundesländer nach den gescheiterten Fusionsbemühungen für die breite
Akzeptanz und Arbeitsmöglichkeit der Gesellschaft aber von außerordentlicher Bedeutung wurde. Der neu gewählte „Vereinigungsvorstand“ setzte sich folgendermaßen zusammen.
Vorsitzender Prof. Dr. Adriaan von Müller (Berlin)
stellvertretende Vorsitzende: Dr. Bernhard Gramsch (Potsdam)
Dr. Eike Gringmuth-Dallmer (Berlin)
Schriftführer: Christa Plate (Potsdam)
Schatzmeister: Wolfgang Brisch (Frankfurt (Oder))
Beisitzer: Wolf-Dietrich von Moers (Berlin)
Stefan Pratsch (Potsdam)
Mitgliederentwicklung, Mitgliederstruktur
Mit der Namenserweiterung ging auch ein Mitgliederzuwachs parallel. Startete die brandenburger Gesellschaft 1992 mit 42 Mitgliedern, deren Zahl sich bis 1994 auf 89 gut verdoppelte, so konnte die berlin-brandenburger Gesellschaft im Jahr 1996 bereits 209 Mitlieder zählen. Die Mitgliederverteilung (Karte 1) spiegelt dabei im Grunde die Bevölkerungsdichte und Infrastruktur Berlins und Brandenburgs wieder. Neben Berlin und Potsdam treten die größeren Städte Brandenburgs hervor. Und so manche kleine Konzentration in der Region lässt sich leicht mit der Ausstrahlung und Werbekraft engagierter Bodendenkmalpfleger und Fachkollegen in Verbindung bringen. Die Verteilung der bis Anfang 2003 mittlerweile 360 Mitglieder (Karte 2) zeigt eine Verdichtung in den bekannten Räumen. Zu den Mitgliedern in der Region gesellen sich auch solche aus dem ganzen Bundesgebiet und dem europäischen Ausland (Karte 3). Zur Verbreitung der Archäologischen Gesellschaft über die Landesgrenzen hinaus hat in nicht unerheblichem Maße das vor allem in Brandenburg übliche System der Firmengrabungen beigetragen. Dadurch beschäftigten sich eine Vielzahl von Archäologen mit der Archäologie in diesem Raum. Weitere kleine Schwerpunkte sind Orte mit einem oder mehreren archäologischen Fachinstituten. Die dortigen Mitarbeiter nutzen teilweise die Möglichkeit sich mit dem Bezug des Archäologischen Jahrbuches kostengünstig über die aktuellsten Ergebnisse der Forschung zu informieren.
Mit immerhin 58 von 360 Mitgliedern stellen diese „Landfremden“ doch einen erheblichen Anteil der Mitglieder (16,1%) (Abb. Xxx) und bescheinigen der Gesellschaft eine beachtliche überregionale Wirkung. Lohnenswert ist auch eine Betrachtung der Mitgliederverteilung auf die beiden Bundesländer Berlin und Brandenburg. Mit 153 (42,5%) zu 149 (41,4%) hat Berlin auf den ersten Blick die Nase knapp vorn. Stellt man aber die deutlich höhere Einwohnerzahl des Landes Berlin in Rechnung, liegt die Mitgliederquote in Brandenburg deutlich höher. Dies hat wohl mehrere Gründe. Zum einen ist die Archäologische Gesellschaft zunächst eine brandenburgische Gründung und wirkt dort bereits zwei Jahre länger. Des weiteren ist in Berlin die Angebotsdichte an historisch-kulturellen Vereinigungen und Angeboten um ein vielfaches höher als im Land Brandenburg. Dies hat unter anderem auch zur Folge, dass es uns dort erheblich schwerer fällt Mitglieder zu werben bzw. zunächst einmal überhaupt erst wahrgenommen zu werden, da unsere Veranstaltungen und Aktivitäten auch in der Presse nur einen beschränkten Raum einnehmen. Nicht zuletzt der Internetauftritt (www.agibb.de) hat hier in letzter Zeit doch zur weiteren Verbreitung untere Interessierten beigetragen. Im Kielwasser der sehr erfolgreichen Bilanzausstellung „Menschen – Zeiten - Räume“ zeitigte auch unser dort ausgelegtes Werbematerial positive Effekte.
Trotz einer höheren Verbreitung ist auch in Brandenburg das mögliche Mitgliederpotential bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Unzweifelhaft sind wir hier wie dort stark auf die Werbungstätigkeit unserer Mitglieder im privaten Umfeld - und was die Hochschul- und Museumsmitarbeiter betrifft auch in ihrem beruflichen Umfeld - angewiesen. Für die weitere Arbeit der Gesellschaft ist es zweifellos von großer Notwendigkeit, die Mitgliederzahlen in allen Regionen deutlich zu erhöhen und den Kreis derjenigen, für die wir interessant sind, zu erhöhen.
Das vielschichtige Mitgliederspektrum setzt sich aus unterschiedlichen Gruppen zusammen. Dem Gründungsstamm gehörten vor allem ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger, Mitarbeiter der archäologischen Institute und Mitarbeiter lokaler Museen an. Hinzu gesellten sich in der Folge Archäologen aus den Fachfirmen und benachbarten Institutionen sowie interessierte Bürger jeden Alters von der frühen Jugend bis ins Rentenalter.
Aufgaben und Tätigkeiten
Alle zusammen haben sich die Aufgabe gestellt, mitzuhelfen, die Bodendenkmäler vergangener Zeiten zu erforschen und zu bewahren. Dabei sollen Einblicke in die archäologische Arbeit sowohl das Verständnis von Archäologie vertiefen, als auch die Akzeptanz der Bodendenkmalpflege erhöhen.
Dies geschieht vorwiegend durch Vorträge und Tagungen, Exkursionen und Studienfahrten sowie durch Publikationen. In der Umsetzung verschiedener Ideen, Anfragen und sich zuweilen auch unerwartet auftuender Möglichkeiten hat sich die Wirkungspalette der Gesellschaft im Einzelfall auch auf ganz unterschiedliche Aktivitäten erweitert.
Unter den Tagungsveranstaltungen steht zweifellos die Jahrestagung der Archäologischen Gesellschaft an erster Stelle. Jahr für Jahr widmet sie sich einem speziellen Fachthema, zu dem Spezialisten aus ihren Arbeitsfeldern zusammenfassende Beiträge liefern. Gleichzeitig wird dort die Möglichkeit für ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger geboten, Erfolge und Ergebnisse ihrer Tätigkeit zu präsentieren. Der Veranstaltungsort wandert von Region zu Region, um die archäologischen Reichtümer der Landschaft im Rahmen der abschließenden Exkursionen erschließen zu können und gleichzeitig unsere Gesellschaft im Land weiter bekannt zu machen.
Ein weiterer fester Bestandteil des Arbeitsfeldes Tagungen ist die Kooperation mit anderen Veranstaltern; so ist die Archäologische Gesellschaft seit dem 2. Frankfurter Archäologentag 1999 einer der Ausrichter dieses jährlichen Treffens. Dort werden aktuelle Grabungsergebnisse aus Ostbrandenburg vorgestellt, ein Schwerpunktthema allgemeinverständlich behandelt, eine kleine Ausstellung geboten und die Bodendenkmäler der Region besucht. Der Heranführung von Kindern und Jugendlichen an die Archäologie dient seit einigen Jahren das von der Archäologischen Gesellschaft unterstützte Schülerquiz zur Archäologie an dem in der Regel weit über 200 Fünft- und Sechstklässler teilnehmen. Aufgrund der Brückensituation der Stadt Frankfurt (Oder) wirkt die Veranstaltung in unsere polnische Nachbarschaft[3]. Mit dem Jahr 2002 begann sich auch die Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt Berlin beim Berliner Archäologentag zu entwickeln. Da dort jährlich die neuesten archäologischen Grabungsergebnisse aus der Hauptstadt präsentiert werden, ist das für unsere Gesellschaft auch ein wichtiges Feld, um in Berlin öffentlich in Erscheinung zu treten.
Neben die aufgeführten turnusmäßigen eigenen Tagungen und solchen, die wir als Mitveranstalter unterstützten, treten noch Einzelveranstaltungen mit spezieller Zielsetzung, die wir wiederum mit verschiedenen Partnern durchführen. Naturgemäß ergibt sich dort ein breites Spektrum. Es reicht von der internationalen, wissenschaftlichen Fachtagung „100 Jahre Fibelformen nach Oscar Almgren“ (25.-28.5.1997), die inhaltlich und organisatorisch vorwiegend vom damaligen Brandenburgischen Landesmuseum für Ur- und Frühgeschichte getragen wurde und nicht zuletzt in einem umfänglichen Tagungsband eine bleibendes Ergebnis lieferte[4], über eine deutsch-polnische Arbeitstagung in Lebus (16.-18.12.2002), die neben der Beschäftigung mit der frühen Eisenzeit des mittleren und unteren Oderraumes dem grenzüberschreitenden Kennenlernen diente[5], bis zu der Veranstaltung, der wir diesen Band verdanken.
Da Archäologie nicht nur von Worten, sondern ganz substantiell auch von Objekten, den Funden und Befunden lebt, gehören Exkursionen von Beginn an zum Programm der Gesellschaft. Dabei geht es zu Ausstellungen und in Museen ebenso wie zu aktuellen Grabungen in Berlin und Brandenburg. Gerade letzteres ist aber nicht immer einfach zu organisieren, da eine lange vorgreifende Planung hier aus naheliegenden Gründen nicht möglich ist. Überhaupt gestaltet sich die Organisation und Durchführung von Exkursionen und Ausflügen für eine Gesellschaft, deren 300 „regionale“ Mitglieder über weit mehr als 30.000 Quadratkilometer verstreut sind, als zuweilen problematisch. Zentrale Zusteigeorte für Busreisen sind nur bedingt möglich, was die Kosten erhöht. Eine flexible und kurzfristige Ankündigung von Fahrten ist aus Kostengründen nur über das Internet möglich, erreicht dann aber nur einen Teil der möglichen Interessenten. Praktikabler sind hier Ausstellungsbesuche, bei denen wir uns bemühen, hochqualifiziertes Fachpersonal für die Führungen zu gewinnen. Zu nennen sind hier beispielhaft die Fahrten nach Halle, als dort im Landesmuseum das Fürstengrab von Gommern zu sehen war, der Besuch der archäologischen Ausstellung bei der Landesgartenschau in Luckau oder die Führung durch die bundesweite Bilanzausstellung „Menschen – Zeiten - Räume“ im Gropiusbau im Januar 2003.
Zur Grundlagenarbeit der Archäologischen Gesellschaft gehört seit ihrer konstituierenden Sitzung in hervorragender Weise die Ausbildung ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger. Sie sind trotz normierter Verwaltungsgänge und Genehmigungsprozesse nach wie vor wichtige Außenposten der bodendenkmalpflegerischen Arbeit im Land. Sie schützen, helfen und beraten beim Umgang mit Bodendenkmälern und sind Multiplikatoren in der Vermittlung archäologischer Kenntnisse. Das hierzu eine fundierte Grundausbildung von größter Bedeutung ist, liegt auf der Hand. Mit finanzieller Unterstützung durch das Land Brandenburg wurden und werden ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger in einem 3-jährigen Kurs von Fachwissenschaftlern geschult, um ihrer Tätigkeit sachgerecht nachkommen zu können. Begleitend zu den Vorträgen können sich die Teilnehmer in der Schausammlung des Brandenburgischen Landesmuseums mit den dinglichen Hinterlassenschaften unserer Vorfahren vertraut machen. Ein Einblick in die Befundstruktur von Bodendenkmälern und Grundkenntnisse von Dokumentation und Fundbergung vermitteln verschiedene Grabungspraktika. Eine derartig umfangreiche Ausbildung für ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger steht in der heutigen Bundesrepublik Deutschland wohl einmalig da und kann nur durch die ehrenamtliche Mitarbeit von Archäologinnen und Archäologen angeboten werden. Hierbei ist in ganz besonderer Weise das Engagement der Referenten und der Organisatoren Dr. Bernhard Gramsch, Dr. Thomas Kersting und Reinhard Probst zu würdigen.
Unzweifelhaft das öffentlich am meisten wirksame Instrument und damit das Flaggschiff der Öffentlichkeitsarbeit der Gesellschaft ist das Jahrbuch „Archäologie in Berlin und Brandenburg“. Nicht nur viele private Abonnenten schätzen es, sondern durch Kauf und Tausch wird es mittlerweile in vielen archäologischen Fachbibliotheken weit über Berlin und Brandenburg hinaus geführt. Mit seiner vergleichsweise hohen Auflage ist es ohne Frage die am weitesten verbreitete Publikation zur Archäologie der beiden Bundesländer. Diese wachsende Akzeptanz und Verbreitung ist Grundlage für eine nicht zu überschätzende Nachhaltigkeit seiner Wirkung für die landesarchäologische Forschung und damit für die Ziele der Archäologischen Gesellschaft in Berlin und Brandenburg.
Bis zum Jahresbeginn 2003 sind inklusive des Jahrbuches „Archäologie in Berlin und Brandenburg 200“1 acht Bände mit 1327 Seiten erschienen. Bereits ab dem ersten Band wurden richtungsweisend Beiträge aus beiden Bundesländern abgedruckt. Da man die archäologische Arbeit nach der Wende in seiner Gänze zeigen wollte und auch eine Lücke zu den Artikeln in der ausgelaufenen bzw. stark umstrukturierten Reihe „Ausgrabungen und Funde“ vermeiden wollte, hatte der erste Band die Jahre 1990 bis 1992 zum Inhalt. Mit zwei weiteren Doppelbänden schloß man die Lücke und seit 1997 präsentieren umfängliche Jahresbände die neuesten Forschungsergebnisse. In der Summe liegen mittlerweile 518 Beiträge vor, in denen sich die überraschend hohe Zahl von 200 (!) unterschiedlichen Autoren äußern konnten[6]. Für viele war es die erste Möglichkeit in ihrer wissenschaftlichen Laufbahn, Ergebnisse ihrer Arbeit im Druck zu präsentieren. Dabei sind wir bemüht, einen möglichst breiten Einblick über die zurückliegenden Grabungen, Funde und einzelne Forschungsvorhaben zu geben. Für viele Ortschaften in der Mark Brandenburg ist das Jahrbuch die erste und einzige Quelle zur archäologischen Hinterlassenschaft im eigenen Boden. Die angestrebte Aktualität und der beschränkte Raum lassen hier sicher beim spezieller interessierten Leser noch Wünsche offen, die Lücke zur fachwissenschaftlichen Grabungspublikation kann und will das Jahrbuch aber nicht schließen.
Herauszustellen ist, dass das Jahrbuch „Archäologie in Berlin und Brandenburg“ ein Gemeinschaftswerk vieler unter dem Dach der Gesellschaft ist. Gerade in der engen Zusammenarbeit mit den beiden Landesarchäologien und dem Theiss Verlag Stuttgart ist es ein typisches Beispiel für unsere Kooperationsarbeit. Möglich werden die Jahresbände aber nur durch die unentgeltlichen Beiträge der Autoren, das Engagement der Redaktion (Michaela Aufleger, Horst Geisler, Eike Gringmuth-Dallmer, Dirk Westendorf, Petra Woidt), der Grafiker, die Spenden, die Fördermittel und das Abonnement der Mitglieder. Die gestalterische Betreuung liegt von Beginn an bei dem Atelier Fischer (Berlin). Wie schwer die Realisierung des Publikationsvorhabens im Einzelfall doch war, mag ein Blick auf die aufgelaufenen Gesamtdruckkosten zeigen. Diese beliefen sich einschließlich des Jahrbuches 2001 immerhin auf die stattliche Summe von ca. 220.000 Euro. Eine Summe die insgesamt nicht leicht aufzubringen war, zumal Förderungen aus den Landeshaushalten mit zunehmender Verschärfung der Finanzkrise schwerer und nur noch in geringerem Umfang zu erhalten sind. Auf den Kostendruck reagierte die Gesellschaft mit der Herausgabe im Eigenverlag und weitere Sparmaßnahmen, womit die Kosten für die Einzeljahrgänge deutlich gesenkt werden konnten.
Eine bisher leider deutlich geringere Rolle in der Arbeit der Gesellschaft spielte aufgrund der finanziellen Situation die Unterstützung studentischer Forschungen. Gerade dieses studentische Engagement in der Region kann wichtige Ergebnisse zur Kenntnis der archäologischen Denkmäler beitragen. Oft sind derartige Arbeiten nur möglich, wenn zumindest ein Teil der Unkosten ersetzt werden kann. Erfreulicherweise war es der Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Stadt Joachimsthal möglich, die Untersuchung der Askanierburg in Grimnitz im Rahmen einer Magisterarbeit an der Humboldt Universität Berlin mit einem Zuschuß zu den Reisekosten unterstützten konnten.
Ebenfalls nur in Einzelfällen waren wir neben der Förderung durch das MSWV des Landes Brandenburg auch als Archäologische Gesellschaft bei der Unterstützung archäologisch-historischer Stadtinventare mit helfender Hand bereit. Diese Stadtinventare dienen der besseren Einbindung der Bodendenkmalpflege in die Stadtplanung und sind somit ein wichtiger Beitrag zum Schutz unseres kulturellen Erbes.
Einen bisher einmaligen Sonderfall stellt die finanzielle Abwicklung der Prospektion im Braunkohlevorfeld Südbrandenburgs dar. Hier war die Gesellschaft durch die Förderung des MWFK Brandenburg in der Lage, Mitte der 90er Jahre über 500.000,-€ einzusetzen.
Finanzielle Basis
Bei der Betrachtung der geleisteten Arbeit und der dafür aufgebrachten Mittel darf man nicht verkennen, dass die finanzielle Basis der Gesellschaft sehr beschränkt ist. Bei einer Zahl von 360 Mitgliedern, zu denen erfreulicherweise auch ein Gutteil Schüler, Studenten und Rentner mit reduziertem Beitrag gehören, sind die jährliche Einnahmen stark begrenzt. Selbst wenn man den Sonderfall der Prospektion im Braunkohlevorfeld außer acht läßt, so konnten die zur Verfügung stehenden Mittel erfreulicherweise vervielfacht werden. D.h. jeder Euro Mitgliedsbeiträge ermöglichte es, ein Vielfaches an Geld für die Archäologie in Berlin und Brandenburg auszugeben. Dies gelang durch die Spendenbereitschaft insbesondere der Grabungsfirmen, die Einwerbung von Fördermitteln der beiden Bundesländer und der EU sowie teilweise durch Kostenteilung mit anderen Trägern.
Die Gruppe unserer Partner und Fördermittelgeber ist vielfältig. Die Liste der Spender wird jeweils im Archäologischen Jahrbuch veröffentlicht. Die wichtigsten Institutionen und Förderstellen sind hier in alphabetischer Reihenfolge zu nennen:
Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte e.V.
Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum
Euroregion „Pro Europa Viadrina“
Landesdenkmalamt Berlin
Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg
Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Museum Viadrina, Städtische Museen Frankfurt (Oder)
Stowarzyszenie Naukowe Archeologów Polskich. Oddział Lubuski
Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Frankfurt (Oder)
Zielstellung, Perspektiven
Insgesamt kann man wohl sehr zufrieden sein mit den Ergebnissen, die die Gesellschaft für die Archäologie erreichen konnte. Hierfür sei neben unseren Partnern allen aktiven Mitgliedern gedankt, allen voran dem langjährigen Geschäftsführer Dr. Bernhard Gramsch. Abschließend stellt sich für die nächste Dekade die Frage nach den weiteren Zielstellungen und Perspektiven der Archäologischen Gesellschaft in Berlin und Brandenburg. Wir wollen weiter mithelfen, die archäologische Arbeit in der Region besser bekannt zu machen und zu fördern. Dazu wird es aber notwendig, unseren eigenen Bekanntheitsgrad zu vergrößern und die Mitgliederbasis zu verbreitern. Denn nur eine große Zahl von Mitgliedern verbreitert die eigene finanzielle Basis und hilft, die Auflage des Archäologischen Jahrbuches zu sichern. Aufgrund der allseits leeren Kassen und zurückgehenden Bereitschaft, Gelder auszugeben, werden Projekte in Zukunft an höhere Eigenmittelanteile gebunden sein, den die Gesellschaft nur über Beiträge und Spenden aufbringen kann.
Primäres Ziel ist zweifellos die Fortführung der bisher schon erfüllten Aufgaben, namentlich die Herausgabe des Jahrbuches, die Durchführung der Tagungen und die Schulung der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger. Wünschenswert wäre, Studenten bei ihren Forschungen zu Bodendenkmalen in Berlin und Brandenburg stärker zu unterstützten. Wichtig bleibt weiterhin die Zusammenarbeit mit den bisherigen und auch neuen Partnern. Wir wollen an keiner Stelle Konkurrenz zu bestehenden Strukturen sein, sondern als Teil eines aktiven archäologischen Netzwerkes arbeiten.
Kunow, J. (1998). 100 Jahre Fibelformen nach Oscar Almgren. Wünsdorf. Germanen, Römische Kaiserzeit
Schopper, F. (2002). “Der 4. Frankfurter Archäologentag am 5. und 6. Juni in Frankfurt (Oder) und seine Vorläufer.”
Archäologisches Nachrichtenblatt 7: 276-278.
.
[1] Da der Verf. zu dieser Zeit nicht in Brandenburg lebte und arbeitete, kann dieser knappe Rückblick nur aus der ferne, des zwar interessierten aber unbeteiligten Betrachters geschehen.
[2] Rainer Schulz und Brigitte Probst, Protokoll der Gründungsversammlung der Archäologischen Gesellschaft in Brandenburg.
[3] Zu Inhalt und Zielstellung des Frankfurter Archäologentages näher Schopper, F. (2002). “Der 4. Frankfurter Archäologentag am 5. und 6. Juni in Frankfurt (Oder) und seine Vorläufer.” Archäologisches Nachrichtenblatt 7: 276-278.
[4] Kunow, J. 100 Jahre Fibelformen nach Oscar Almgren. Wünsdorf (1998). In den einleitenden Worten dort zu Zielstellung und Ablauf der Veranstaltung.
[5] Ein Tagungsbericht von M. Petzel befindet sich für das Archäologische Nachrichtenblatt in Vorbereitung.
[6] Die Inhaltsverzeichnisse der Jahresbände sind auf der homepage der Gesellschaft (www.agibb.de) unter dem Stichwort „Jahrbuch“ einzusehen.